Taubes Flüstern

 

    Wenn Sinne Sterne sichten

 

 

Ich weile und begrüße

Den Nachmittag der Rast

Die Krallen meiner Füße

Umringen seinen Ast

 

Geduld lehrt mich das Lebensspiel

Auch Lauschen und Betrachten

Das Treiben schrill, so bunt, so viel

Auf weißen blanken Straßen

 

Es ähnelt einer Perlenschnur

Sie fädelt, drillt sich durch die Flur

Dass mich die Ängste fassen

 

Und wenn es dämmert, sitz ich noch

Auf meinem Astgestühl

Ich gurre in den Himmel hoch

Sowie ins Stadtgewühl

 

Die Nacht zeigt sich im Schattensein

Sobald sich Welten lichten

Die Stadt gehört dem Schlaf allein

Wenn Sinne Sterne sichten

 

Sie ähneln einem Perlenglanz

Der träumend schwebt, dann feurig tanzt

Um Frieden anzustiften

 

 

Doreen Malinka

 

 

Bildautorin: Doreen Malinka

 

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Kommentare: 2
  • #1

    E.Rasmus (Dienstag, 28 Januar 2014 02:40)

    Europäische Winterallee

    Wenn die Lettern fallen
    Tief in Eis und Schnee,
    Nur Serifen krallen
    Fest sich als Vasallen,
    Flüstert die Allee
    Kahl in Windes Geigen,
    Wo die Worte war’n.
    Blattlos sich verneigen
    Arme, ihnen eigen,
    Klagen sie, erstarr’n.

    Füße scharren, schlittern,
    Quetschen, bleiben taub,
    Blasse Lippen zittern,
    Augen zwinkern, wittern
    Sprachverwor’nen Staub.
    Brechen die Serifen
    Von den Lettern ab.
    Und aus alten Briefen
    Schürft zuletzt in Riefen
    Schrift im Schnee ihr Grab.

  • #2

    Doreen Malinka (Freitag, 04 März 2016 17:56)


    Wundervoll,
    lieber E.Rasmus,
    ist dieses Gedicht ... Immer wieder freue ich mich,
    hier von Dir zu lesen und Deine so anspruchsvolle Poesie
    mit anderen Menschen teilen zu können ...
    Danke dafür.

    Herzlichst, Doreen